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Dedizierte Modems für VDSL – was gibt der Markt her?

Erstellt von solip am 8. Juni 2012

Die Anbieter von VDSL wie die Telekom oder auch 1und1 geben sich bei Geräten für diese Leitungen sehr eingeschränkt. Standard ist ein passender Router der Heim-Klasse wie Telekom Speedport 7xx/9xx oder die AVM Fritzboxen als Beigabe. Der typische Kunde Zuhause ist üblicherweise mit so einem All-in-One Gerät gut bedient, erledigt es doch alle typischen Aufgaben. Aber für Profis sind diese Geräte eher uninteressant. Von Interesse ist eher das eingebaute VDSL-Modem um einen richtigen Router an die Leitung anzuschließen.

Während die Telekom einen separaten Geschäftskundenvertrieb hat, der andere Produkte und auch Geräte kennt, so bedient 1und1 Geschäftskunden in gleicher Weise wie Privatkunden. Und bietet auch eine echte Flatrate ohne Traffic-Limit (100 GB bei der Telekom zur Zeit). Dementsprechend ist 1und1 ein sehr gern genommener Zugangsanbieter für VDSL, denn unterm Strich erhält man hier die gleiche technische Leistung für weniger Geld und ohne Traffic-Falle.

Pikanterweise wurde ausgerechnet den Hausgeräten von 1und1, den AVM Fritzboxen, mit den neueren Firmwares kürzlich ganz die Möglichkeit genommen als VDSL-Modem benutzt zu werden. Begründet wird dies nur knapp damit, dass VDSL ein VLAN-basiertes Netz ist (das stimmt) und die Geräte daher ihre eigene Verbindung herstellen müssten und nicht als Modem fungieren könnten/dürften. Das stimmt nicht, es geht weiterhin mit einer alten Firmware.

VLAN-Tagging ist weit jenseits dessen, was man dem normalen Endkunden zumuten kann. Hier Unstimmigkeiten zu verhindern indem man gleich den ganzen Modem-Betrieb streicht, ist hingegen etwas sehr einfach und viel zu weit gegriffen. Es schließt alle Nutzer von Profi-Routern auf einen Schlag aus und macht die AVM-Geräte unbrauchbar. Aber spart bestimmt einige wenige Anrufe im Callcenter ein…

VDSL ist ein VLAN-basiertes Netz. Dienste wie Internet, IPTV, Telefonie, etc. eines Anbieters können in verschiedene virtuelle Netzwerke gezwungen werden. Das verhindert Störungen und lässt spezifischere Optimierungen zu. Die Kommunikation muss auf jeden Fall mittels eines gesetzten VLAN-Tags erfolgen. Wer dieses setzt, da wird es interessant.

Die Heim-Router mit Modem-Modus sind idR für den Anschluss passend eingestellt, z.B. über Startcode. Sie übernehmen das VLAN-Tagging selber um die Dienste zu trennen. Im Modem Betrieb steht PPPOE-passthrough zur Verfügung, das vom Router ohne VLAN-Tag zu nutzen ist. Nimmt man VLAN-Tagging selber vor, so ist es an der WAN-Schnittstelle vom Router zu erzeugen. Oder zur Not über einen Switch-Port an einem VLAN-Switch. Bekannte VLAN-Tags sind z.B. die 7 für Internet im gesamten Telekom-Netz. Auf der 8 befindet sich ein anderer Dienst. Vodafone und Alice verwenden angeblich andere Tags (Nummern von 10 bis 23 kursieren), hierzu aber bitte selber forschen bzw. mittels PPPoE-Trace herausfinden.

Also, was kann man aktuell an Geräten nehmen im Zusammenspiel mit einem richtigen Router?

Zuerst die Heim-Klasse und was sie (noch) kann:

  • Telekom Speedport 7xx
    Nicht als VDSL-Modem nutzbar, obwohl ein Modem-Betrieb angeboten wird. Dieser ist nur für ADSL. Einsatz lediglich als VDSL-Router möglich.

  • Telekom Speedport 9xx
    Es soll noch ein Modell als VDSL-Modem nutzbar sein, jedoch nur PPPOE-passthrough ohne eigenes VLAN-Tagging.

  • AVM FritzBox
    Mit den Firmwares 85.05.xx wurde Anfang 2012 der VDSL Modem-Modus gestrichen. Mit älteren Firmwares ist er noch nutzbar. Man muss bereits schauen das man noch an eine solche alte Firmware herankommt. Ist natürlich auch nicht optimal mit einem völlig veralteten Linecode zu arbeiten. Außerdem wird das VLAN-Tagging im Gerät selber erzeugt und ist nicht steuerbar.

Es gibt aber auch richtige Router mit vollwertigem VDSL-Modem integriert:

  • Lancom 1681V
    Schnörkelloser Lancom, der außer VDSL nur noch ISDN mitbringt. Ansonsten die üblichen Dinge wofür man so ein Gerät kauft wie VPN, Firewall, Standortvernetzung, etc.
    Leider bietet Lancom das VDSL-Modem nicht separat an. Wie auch sonst keines der verwendeten Modems.

Dedizierte VDSL-Modems mit vollwertigem Bridge-Modus:

  • Telekom Speedport 221 und 300 HS
    Reine VDSL-Modems, jedoch ausgelaufene Produkte seitens der Telekom. Ein Nachfolgeprodukt wurde nicht gebracht. Es gab hier wohl auch mal Qualitätsprobleme mit einem bestimmten Elko. Die Geräte sind noch erhältlich in Auktionshäusern (bis zu 100 € aktuell). Sie funktionieren als vollwertige VDSL-Modems sehr gut. VLAN-Tagging ist selber zu erzeugen.

  • Allnet Modem Slave ALL126AS2
    Reines VDSL-Modem, aktuell erhältlich für mehr als 150 Euro. Eignet sich auch für Zwecke der Gebäudevernetzung mit eigenen Leitungen. VLAN-Tagging ist selber zu erzeugen. Dieses Gerät ist eine Option, die auch beim Telekom Geschäftskundenvertrieb bekannt/erhältlich ist.

Router mit VDSL-Modem und vollwertigem Bridge-Modus:

  • ZyXEL 870H-53Av2
    Im Prinzip ein eher uninteressanter Router mit brauchbarem VDSL Modem welches sich auch als solches benutzen lässt. Seit 2008 im Handel erhältlich. Dieses Gerät ist eine Option, die auch beim Telekom Geschäftskundenvertrieb bekannt/erhältlich ist.

Diese Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und basiert auf eigenen Anwendungen. Es gibt z.B. noch ein Cisco-Gerät, sehr teuer.. aber nicht getestet.

Empfehlung

Wenn nicht gerade ein Lancom ausgetauscht wird und man einen 1681V mit integriertem VDSL-Modem nehmen könnte… dann eigentlich nur die Speedport 221 oder 300HS bzw. das Allnet Modem Slave ALL126AS2. Im Falle der Telekom-Geräte vielleicht besser Ersatz vorrätig haben. Hat man ein mittlerweile als Modem unbrauchbares AVM-Gerät, so bietet sich an dieses zu verkaufen und den Erlös in ein richtiges VDSL-Modem zu investieren.

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